Moura liegt etwa 60 km nordöstlich von Beja und ist gut über die N 260 (Beja - Serpa) und die landschaftlich schöne N 255 (ab Serpa) zu erreichen.
Die Kreisstadt hat ca 8.700 Einwohner und ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Kreises (ca 16.200 EW) mit seinen Gemeinden
Amareleja, Póvoa de São Miguel, Safara, Moura (Santo Agostinho), Santo Aleixo da Restauração, Santo Amador, Moura (São João Baptista) und Sobral da Adiça.
Die Kirche S.Joao Batista mit manuelinischem Portal
Nach wenigen Kilometern auf der N 255 tauchen auf den sonst so endlosen Feldern des Alentejo rechts und links der Straße flächendeckend Plantagen mit Olivenbäumen auf. Das Olivenöl von Moura, das Sie unter der Bezeichnung "Azeite Moura" überall erwerben können, gilt als eines der besten in Portugal.
Die Stadt, die wegen ihrer Heilquelle auch Thermalbad ist, war schon von den Römern besiedelt und wurde später der Lieblingsplatz des maurischen Dichters Al-Motadide. Im Jahr 1232 eroberten die Kreuzritter die Stadt, die jedoch nicht die gesamte maurische Bevölkerung vertrieben. Viele Mauren durften noch bis zu ihrer endgültigen Vertreibung bis zum Jahre 1496 bleiben. Deshalb finden Sie noch ein guterhaltenes maurisches Stadtviertel und einige typische Schornsteine aus dieser Zeit.
Das Schicksal von Saluquia, der Tochter des maurischen Burgherrn, wurde in Moura zur Legende:
Angeblich wartete sie auf der Burg auf ihren Verlobten um Hochzeit zu feiern. Dieser wurde jedoch von christlichen Rittern gefasst, getötet und seiner Kleider beraubt. Als Mauren verkleidet drangen die Ritter sodann in die Burg ein, nachdem Saluquia ihnen das Tor geöffnet hatte. Als Saluquia ihren Irrtum bemerkte, sprang sie aus Verzweiflung vom Burgturm in den Tod.
Diese Historie wird auch heute noch amtlich "dokumentiert" im offiziellen Wappen der Stadt - eine Frauenleiche unterhalb des Kastellturms!
Obwohl die Geschichte historisch nicht belegt ist, findet sie sich im Stadtwappen von Moura wieder: Das Wappen zeigt einen Turm mit einer Frauenleiche davor. Im 14.Jh. wurde das zerstörte Kastell wieder aufgebaut und um 1660 verstärkt. Als die Spanier 1707 in Moura einfielen ließen sie nur noch Ruinen zurück.
Fahren Sie in den Ort hinein, sehen Sie nach wenigen Minuten links einen kleinen Park und die Touristeninformation, auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich eine Parkmöglichkeit. Von hier aus sind alle Sehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuß zu erreichen. In der Touristeninformation erhalten Sie ein Faltblatt mit Informationen über Moura auch in deutsch und einen Stadtplan. Nehmen Sie auch das braune Faltblatt mit der Aufschrift "Moura- Museu Municipal" mit, um die drei in der Stadt verteilten Museen besser finden zu können.
Nun gehen Sie immer geradeaus, zuerst vorbei an dem neueren Justizpalast und herrschaftlichen Stadtpalästen aus dem vorigen Jahrhundert, dann überqueren Sie eine Straße und laufen durch die Fußgängerzone der Stadt bis zum Platz Sacadura Cabral, der hufeisenförmig einen Gebäudekomplex, bestehend aus Markthalle, Stadtbibliothek, Finanzamt und Rathaus umfaßt.
Wenden Sie sich nach rechts, sehen Sie, gleich hinter einem Marmorbrunnen aus dem Jahr 1815, den Eingang zum Kurpark. Den gut gepflegten Park schmückt in der Mitte ein schmiedeeiserne Musikpavillon, nur die Lausprecherbeschallung stört etwas den nostalgischen Eindruck. Von einer Aussichtsterrasse aus haben Sie einen vorzüglichen Blick auf die Umgebung. Wenn Sie den Park wieder verlassen, sehen sie links die recht kleine Kirche S.Joao Batista aus dem 16.Jh. mit einem auffallenden manuelinischen Portal. Im Innern ist die Kirche mit Kacheln aus Sevilla aus dem Jahr 1651 geschmückt. Der Balkon an der Außenfassade stammt aus dem 17. Jh.
manuelinischen Portal der Kirche S.Joao Batista
schmiedeeiserne Musikpavillon im Kurpark
Machen Sie jetzt einen Abstecher in das städtische Museum. Hierzu gehen Sie links am Kurpark vorbei, rechts taucht ein Haus aus dem 16. Jh. (Pateo dos Rolins) auf. Dahinter führt eine sehr schmale Gasse nach rechts, es ist auch ein Wegweiser "Museu Municipal" angebracht. Nach etwa 10 Minuten zeigt das Schild nach links in eine noch winzigere (Neben)Gasse. Das Museum ist in dem ehemaligen Kornspeicher der Stadt untergebracht und umfaßt Fundstücke von der Prähistorie bis zum 18.Jh., beispielweise Tongefäße, Schmuck, Azulejos und Waffen. Alles wird in hellen Räumen übersichtlich und gut beschriftet präsentiert.
Das Museum ist geöffnet: dienstags - freitags 9.30 - 12.30 und 14.30 - 18.00 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 10.00 - 12.00 und 14.30 - 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Ganz in der Nähe des Museums liegen die sog. "Quarteis", alte Kasernen aus dem 17.Jh. in einer in Portugal sehr seltenen Bauweise. Die Besichtigung dieses Gebäude können wir jedoch nur Architekturfans empfehlen. In den heruntergekommenden Kasernen leben Zigeunerfamilien, die auch den großen Vorplatz "belegt" haben. Nicht gerade eine Gegend, in der man gern spazierengeht.
Empfehlenswert ist es, auf den zentralen Platz am Rathaus zurückzugehen und einen Abstecher zum Karmeliterkloster zu machen. Es wurde um 1251 gegründet und ist das älteste in Portugal. Nur die Klosterkirche kann besichtigt werden, das Kloster selbst ist nicht zugänglich. Gehen sie vom Kloster zurück Richtung Hauptplatz, zeigen große Schilder unübersehbar nach rechts in das Maurenviertel. Nur noch selten werden Sie auf den kleinen weißen Häusern noch einen typischen maurischen Schornstein finden. In einem unscheinbaren Haus des Maurenviertels ist die "arabische Abteilung" des Stadtmuseums eingerichtet; u.a. könne Sie auch einen arabischen Brunnen besichtigen. Wir standen vor verschlossener Tür. Ein kleines Hinweisschild wies allerdings darauf hin, wo man den Schlüssel bekommen kann.
Ansichten ...
... der Kastellanlage
Auf dem Weg zurück zum Auto sollten Sie unbedingt einen Abstecher zu dem u.E. interessantesten Museum der Stadt machen, dem "Lagar de Varas do Fojo".
Dahinter verbirgt sich eine restaurierte Ölmühle, die noch bis 1941 in Betrieb war. Sie finden das Museum, indem Sie - vor dem Gerichtsgebäude stehend - die Straße rechts bergan gehen. Die Ölmühle, die 1810 errichtet wurde, arbeitete ohne elektrische Maschinen. Die angelieferten Oliven wurden zunächst in der großen Halle gelagert und dann in Körben von den Arbeitern zum Mühlwerk, das sich im hinteren Teil des Gebäudes befindet, getragen. Die schweren Mühlsteine mußte ein Esel bewegen, ein zweiter Esel stand zur Ablösung in einer Ecke des Gebäudes bereit. Die gemahlene Masse wurde dann in eine Art Taschen aus Stroh gefüllt und zur Presse transportiert. Das Öl der ersten Pressung lief über eine Leitung aus den Holzbottichen. Die restliche Masse wurde dann erhitzt und ergab Öl minderer Qualität. Das Museum ist geöffnet: 9.30 - 12.30 u. 14.30 - 17.30 Uhr, montags geschlossen.Der Eintritt ist frei.
Blick in das "Olivenölmuseum"
Die gewaltigen handbetr. Pressen
Wenn Sie noch einen Ausflug in die Umgebung machen möchten, besuchen Sie die 2 alten Wassermühlen von Barca direkt am Guadiana. Auch eine Besichtigung des heftig umstrittenen Staudamms von Alqueva bietet sich an. Mit der Flutung des Staussees wird am 8.2.2002 begonnen.br>
Der Staudamm von Alqueva im Internet: Hier hat sich Sven Sevke (Algarve - Kontakt) die Mühe gemacht , kritische Stimmen zu diesem Projekt zusammenzutragen - eine umfassende Dokumentation!
Die Presse in Portugal jubiliert - die Wahrheit (sprich wirtschaftliche Notwendigkeit und ökologische Verträglichkeit) wird wohl wieder einmal "in der Mitte" liegen. Von Salazar konzipiert und erträumt, nach jahrzehntelanger Planung jetzt mit EU-Geldern finanziert und erbaut - aber was wird aus dem Guadiana und seiner Natur südlich des Staudamms?